FinTechs auf der Bits & Pretzels

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Vom 27. bis 29. September 2015 fand in München das dreitägige Networking- und Matching-Event Bits & Pretzels statt – oder nach dem treffenden freudschen Versprecher des zweiten Bürgermeisters Josef Schmid in der Eröffnungsrede: „Beer & Pretzels“. Die Veranstaltung fand bereits zum dritten Mal statt, diesmal auf dem Messegelände vor den Toren Münchens. Der letztjährige Tagungsort – der Löwenbräukeller in München – wäre bei einer Teilnehmerzahl von 3.600 wohl aus allen Nähten geplatzt. Während es an den ersten beiden Tagen zahlreiche Vorträge von Gründern und Persönlichkeiten aus der Wirtschaft in Krachledernen zu hören gab, fand am dritten Tag ein Ortswechsel statt: Nun ging es auf die Wiesn ins Schottenhamel-Zelt. So konnten bei einer Maß Bier und einem Hendl Erfahrungen ausgetauscht und Kontakte geknüpft werden.

Aber zurück zum zweiten Tag: Hier bekam das Thema FinTech einen eigenen Programmpunkt. Den drei FinTech-Unternehmen Iwoca, Braintree und Friendsurance, sowie dem FinTech-Inkubator FinLeap wurde eine Plattform geboten, sich vorzustellen.

Iwoca und Friendsurance haben ihr Geschäftsmodell so erklärt: Beide sind Vermittlungsplattformen, die ihr Angebot auf den Bereich des Banking bzw. Versicherung ausgerichtet haben und dabei die Prozesse kundenfreundlicher gestalten und vor allem beschleunigen wollen.

Iwoca vergibt nicht nur Startups, sondern auch mittelständischen Unternehmen Kleinkredite, die kurzfristig eine Finanzspritze bis zu EUR 50.000 benötigen. Die Zinssätze variieren zwischen ein bis sieben Prozent, je nach Laufzeit, die maximal sechs Monate betragen kann. Ob ein Kredit vergeben wird, entscheidet Iwoca, laut eigener Angabe, innerhalb von 72 Stunden. Der Selbstversuch mit fiktiven Angaben bestätigte: Zumindest der Kreditantrag ist anhand eines Leitfadens mit Hilfe weniger Klicks gestellt.

Das Geschäftsmodell von Friendsurance honoriert es, wenn der Versicherte wenige bis keine Schadensfälle meldet. Das funktioniert so: Bei Inanspruchnahme des Friendsurance Modells bleiben die Versicherungsbeiträge der Versicherten unverändert, werden jedoch wie folgt aufgeteilt: Friendsurance erhält 40 %, die Versicherung 60 %. Der Anteil von Friendsurance fließt in einen Topf, der darüber hinaus von einer Kleingruppe anderer Versicherter gespeist wird. Aus diesem Topf werden kleinere Schadensfälle bedient, wodurch die Versicherung Verwaltungsaufwand spart. Wenn es keine Schadensfälle gibt, erhalten die Versicherten ihren Anteil in Höhe von 40 % wieder zurück. Friendsurance finanziert sich über Vermittlungsprovisionen der Versicherungen.

Die im Wesentlichen seit Jahren unveränderten Geschäftsmodelle der Banken und Versicherungen erhalten durch die FinTechs einen benutzerfreundlicheren Anstrich. Dabei werden Banken und Versicherungen nicht überflüssig, sondern sind wichtige Partner im Hintergrund. Es entsteht eine Win-Win Situation. Die etablierten Finanz- und Versicherungsdienstleister können kostenintensiven Verwaltungsaufwand auslagern. Die Kunden erhalten einen weitaus einfacheren Zugang zu den Leistungen. Disruption, das wohl am meisten verwandte Wort auf der Bits & Pretzels, ist also nicht immer der Königsweg.

Autoren:

Matthias Oberbauer ist freier Mitarbeiter bei P+P Pöllath + Partners in München und derzeit Rechtsreferendar am OLG München.

Louisa Buchsbaum ist freie Mitarbeiterin bei P+P Pöllath + Partners in München sowie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Wirtschaftsprivatrecht und geistiges Eigentum an der TU München.

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